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Deutschland legt bei MiCA-Lizenzen nach: Sechs neue Institute, EU-Spitzenposition ausgebaut
Nach einer Aktualisierung des vorläufigen MiCA-Registers durch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) ist die Zahl der in der EU zugelassenen Krypto-Dienstleister (Crypto-Asset Service Providers, CASPs) auf 331 gestiegen, berichtet CoinDesk. Neu hinzugekommen sind sechs Institute aus dem genossenschaftlichen Bankensektor in Deutschland – damit baut Deutschland seinen Vorsprung bei Krypto-Lizenzen innerhalb der EU weiter aus.
Gegenüber der Registerfassung vom 12. August wurden folgende Häuser neu aufgenommen: Raiffeisenbank Aidlingen, Ihre Volksbank, VR Bank Mittelfranken Mitte, Volksbank Euskirchen, VR Bank Ried Überwald und Volksbank Backnang. Laut den aktuellen Registrierungsdaten liegt die Zahl der lizenzierten CASPs in Deutschland bei mehr als dem Doppelten von Frankreich. Frankreich folgt auf Rang zwei mit 35, dahinter die Niederlande mit 29.
Auch nach dem Ende der Übergangsregelung geht das Tempo nicht zurück. Die MiCA-Übergangsphase endete am 1. Juli 2026, die Lizenzvergabe hat sich seitdem jedoch nicht verlangsamt: ESMA-Daten zufolge stieg die Zahl gültiger MiCA-Lizenzen in der EU von 244 am 29. Juni auf 309 bis zum 23. Juli und liegt nun bei 331.
Bereits bei einem Update im Juli waren vier deutsche Institute in das Register aufgenommen worden, darunter Raiffeisenbank Falkenstein Wörth, Spar und Kreditbank Rheinstetten, VR Bank Augsburg Ostallgäu und JT Technologies. Zudem erhielt die belgische Tochter von BNY Mellon eine Genehmigung für Krypto-Verwahrung und Transferdienstleistungen.
Parallel zur wachsenden Zahl an Zulassungen bringen Genossenschaftsbanken Krypto-Angebote zunehmend in den Privatkundenbereich. Im Juli wurde berichtet, dass DZ Bank den Handel mit Kryptowerten schrittweise über die angeschlossenen Genossenschaftsbanken ausrollt. Kunden sollen digitale Vermögenswerte innerhalb ihrer bestehenden Bankverbindung kaufen und verkaufen können, ohne ein separates Konto bei einer Kryptobörse eröffnen zu müssen. DZ Bank hatte im Januar dieses Jahres im MiCA-Rahmen grünes Licht von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für die Plattform meinKrypto erhalten. Zum Start werden Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Cardano unterstützt; die Verwahrung übernimmt Boerse Stuttgart Digital. Damit integrieren einzelne deutsche Banken den Kryptohandel in ihre etablierten Finanzdienstleistungen, statt ihn vollständig an unabhängige Krypto-Plattformen auszulagern.
BaFin sieht mehrere Gründe für Deutschlands Spitzenposition. Die höhere Zahl an MiCA-Autorisierungen hänge unter anderem mit der Größe des deutschen Finanzsystems und der großen Anzahl von Kreditinstituten zusammen, die grundsätzlich Krypto-Dienstleistungen anbieten können. Hinzu kommt, dass Deutschland die Krypto-Verwahrung bereits vor der vollständigen MiCA-Umsetzung als regulierte Finanzdienstleistung erfasst hatte. Für Institute, die schon unter dem nationalen Regelwerk tätig waren, können beim Wechsel in das EU-weit einheitliche System vereinfachte Verfahren möglich sein.
MiCA schafft ein harmonisiertes Zulassungssystem in der Europäischen Union. Nach Genehmigung durch die zuständige nationale Behörde und Abschluss des Notifizierungsprozesses können Anbieter das "Passporting" nutzen und ihre Dienstleistungen auch in anderen Mitgliedstaaten erbringen.
Abseits des wachsenden CASP-Registers gab es bei weiteren von ESMA geführten MiCA-Listen kaum Bewegung: Das Register für Asset-Referenced Tokens bleibt leer, das Register für E-Geld-Token umfasst 43 Einträge, die Liste nicht konformer Einheiten liegt bei 167. ESMA verlagert den Schwerpunkt zudem von der Lizenzierung auf die laufende Aufsicht über zugelassene Unternehmen – etwa mit Blick auf operative Resilienz, Verwahrungskontrollen, Schlüsselmanagement, Incident Response und Risiken aus Drittanbieter-Services.