Trump verkündet zum 38. Mal ein "baldiges" Iran-Abkommen – Märkte starten TACO-Rally
US-Präsident Donald Trump hat zum 38. Mal ein "unmittelbar bevorstehendes" Abschlussabkommen im Streit um den Iran angekündigt. Nach einem überraschenden US-Militärschlag gegen den Iran und einer zuvor angekündigten, dann wieder abgesagten Drohung "starker Maßnahmen" werteten Anleger die Aussagen erneut als Signal für Entspannung – globale Risikoanlagen legten deutlich zu.
An den US-Börsen schlossen die wichtigsten Indizes fest: Der Dow Jones stieg um 1,90%, der Nasdaq um 3,42%, der S&P 500 um 1,73%. Kryptobezogene Aktien zogen breit an, Coinbase (COIN) gewann 4,99%, Robinhood (HOOD) 7,40%.
Auch Asien startete stark. In Südkorea sprang der KOSPI zum Handelsbeginn um 519,25 Punkte bzw. 6,69% auf 8.283,2 und löste kurzzeitig einen Handelsstopp (Circuit Breaker) aus; im Verlauf lagen die Gewinne zeitweise bei bis zu 8%. In Japan eröffnete der Nikkei 225 880,53 Punkte bzw. 1,37% höher bei 65.097,80.
Am Rohstoffmarkt fielen die Ölpreise um 4,3%, Gold erholte sich um 3,1%.
Marktteilnehmer rechnen zunehmend frühzeitig mit positiven Wendepunkten im inzwischen vierten Monat des US-Israel-Iran-Konflikts. In den vergangenen Wochen kam es wiederholt zu "newsgetriebenen" Aufwärtsbewegungen, bei denen Hoffnungen auf ein Kriegsende rasch eingepreist wurden.
Makro-Impuls: Entspannungsfantasie und US-Inflationsdaten dämpfen Zinserhöhungserwartungen
Der Kursanstieg wurde zusätzlich von den US-Verbraucherpreisdaten und sinkenden Erwartungen an weitere Fed-Zinsschritte gestützt. Trumps jüngste Aussagen verstärkten dabei den sogenannten "TACO-Effekt".
Nach Berichten aus der Nacht sagte Trump zunächst einen für den Abend geplanten Angriff bzw. Bombardierungsoperationen gegen den Iran ab. Anschließend schrieb er, die Gespräche seien der höchsten Führung Irans vorgelegt und von ihr gebilligt worden; sowohl Grundzüge als auch Details seien von allen beteiligten Seiten akzeptiert worden – er nannte dabei die USA, Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, die Türkei, Pakistan, Bahrain, Kuwait, Jordanien und Ägypten. Iran und Israel dementierten später, die Märkte nahmen die Botschaft dennoch auf.
Trump erklärte zudem, es sei ein "ausgezeichnetes Abkommen" erzielt worden; die Dokumente befänden sich in der Endredaktion, Abschluss und Unterzeichnung seien in den kommenden Tagen zu erwarten. Eine Unterzeichnung könne in Europa erfolgen, möglicherweise an diesem Wochenende, mit Teilnahme von US-Vizepräsident Vance. Weiter sagte Trump: "Sobald Iran unterschreibt, wird die Straße von Hormus geöffnet." Obwohl die Gespräche "zu lange" dauerten, setzte der Markt vorerst auf das positive Szenario.
US-Kerninflation: Jahreswerte erreichen Mehrjahreshoch
Für Mai meldeten die USA folgende CPI-Daten:
- Saisonbereinigter CPI (Monat): 0,5% (Erwartung 0,50%, zuvor 0,60%).
- Saisonbereinigter Kern-CPI (Monat): 0,2% (Erwartung 0,30%, zuvor 0,40%).
- CPI (Jahr, nicht saisonbereinigt): 4,2% (Erwartung 4,20%, zuvor 3,80%), höchster Stand seit April 2023.
- Kern-CPI (Jahr, nicht saisonbereinigt): 2,9% (Erwartung 2,90%, zuvor 2,80%), höchster Stand seit September 2025.
In der Auswertung heißt es, die US-Inflation liege wieder im "4er-Bereich"; kriegsbedingte Preisspitzen dürften hinter dem Markt liegen. Der kräftige Preisanstieg im dritten Monat in Folge unterstreiche den wachsenden Druck auf Haushalte, da mehr Verbraucher offenbar Ersparnisse zur Deckung laufender Ausgaben einsetzen.
Nach Veröffentlichung der Daten stieg die vom Markt implizierte Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve die Zinsen im Juni unverändert lässt, auf 96,3%. Trump kommentierte die Daten mit dem Satz: "I love inflation."
Fed-Ausblick: Markt preist Zinserhöhung 2026 nicht mehr vollständig ein
Nach dem CPI-Report wird am Markt eine Fed-Zinserhöhung in diesem Jahr nicht mehr vollständig eingepreist. Seema Shah, Chief Global Strategist bei Principal Asset Management, sagte, die US-Inflation liege mit 4% weiterhin auf einem beunruhigend hohen Niveau, die schwächer als erwartete Kernrate nehme aber Druck heraus. Solange Energiepreise der Haupttreiber seien und sich Wohnkosten abkühlten, gebe es noch keine klaren Signale breiter Zweitrundeneffekte – das ermögliche der Fed Geduld.
Afonso Borges von der Bank of America bezeichnete die moderate Erholung, angeführt von kurzlaufenden US-Staatsanleihen, nach dem CPI-Report als "logisch", da die besser als erwarteten Inflationsdetails das Risiko einer späteren Zinserhöhung in diesem Jahr reduzierten.
Japan und Südkorea: Privatanleger setzen auf Erholung, Yen bleibt schwach
In Südkorea und Japan folgte der kräftige Rebound auf zwei schwache Handelstage. Laut Yonhap News Agency hatte der KOSPI nach negativen Impulsen aus den USA und einem scharfen Rückgang von Halbleiterwerten zwei Tage deutlich korrigiert. In dieser Phase stiegen die Überziehungsbestände großer Geschäftsbanken um mehr als 600 Mrd. KRW (rund RMB 2,67 Mrd.). Analysten sehen darin ein Signal, dass Privatanleger den Rücksetzer als Kaufchance nutzen und über Überziehungslinien "gehebelt investieren".
Nach Nikkei News könnte die Bank of Japan (BoJ) auf ihrer Sitzung am 15.–16. Juni den kurzfristigen Leitzins von 0,75% auf 1,0% anheben – der höchste Wert seit 1995. Der USD/JPY stieg daraufhin um 0,2% auf 160,168. Zwar fließt weiterhin Kapital in die Aktienmärkte Japans und Südkoreas, doch könnte eine BoJ-Zinserhöhung die Liquidität am japanischen Kapitalmarkt schrittweise straffen.
BofA-Analyst Shusuke Yamada sagte, ein hawkisher BoJ-Kurs und eine Zinserhöhung in der kommenden Woche könnten den Yen stützen; die Erwartung sei bereits weitgehend eingepreist.
Ausblick: Kriegslage bleibt offen, Warnungen vor Korrektur und Liquiditätstest nehmen zu
Trotz der heutigen Kursgewinne bleibt die Stimmung an den Märkten laut Beobachtern nur vorsichtig optimistisch. Das Verhältnis zwischen den USA und dem Iran habe sich nicht grundlegend verändert. Ali Akbar Dareini vom Tehran Strategic Research Center sagte, Trumps Ankündigung, Angriffe abzusagen, ändere an der Lage nichts. Aus iranischer Sicht müsse Washington vor Gesprächen vertrauensbildende Schritte setzen; das sei nicht geschehen. Irans Position bleibe, unter Druck keine Zugeständnisse zu machen.
Barclays-Stratege Alex Altmann, der Investoren häufig geraten hatte, Volatilität auszusitzen, warnte zuletzt ungewöhnlich deutlich. Wegen technischer Überkauftheit, überzogener Stimmung und makroökonomischem Druck habe er kurzfristig auf eine bärische Einschätzung für US-Aktien umgestellt. Er sieht den US-Markt in einer strukturellen Korrekturphase und verweist auf eine große Diskrepanz zwischen Privatanleger-Stimmung und Makrorealität. Seine Prognose: Der S&P 500 könnte insgesamt um 6%–7% korrigieren.
Die jüngste AAII-Stimmungsumfrage zeigt, dass der Anteil der Bären in der vergangenen Woche auf 47,7% sprang – nahe dem Jahreshoch von 52% (18. März) und deutlich über dem historischen Durchschnitt von 31%.
Weitere skeptische Stimmen kommen von BofA Securities. Ein Team um Savita Subramanian schrieb in einem Bericht vom 5. Juni, rund 70% der Bärenmarkt-Signale seien bereits ausgelöst – im historischen Vergleich typisch für Marktspitzen. Der S&P 500 sei in 17 von 20 Bewertungskennzahlen statistisch signifikant überbewertet; acht Kennzahlen lägen über den Niveaus der Tech-Blase. Zusätzlich hätten hoch bewertete Aktien niedrig bewertete Titel stark übertroffen, was als Spekulationszeichen gewertet werde. Im Technologiesektor sei die Performance-Lücke zwischen Top- und Bottom-Quintil so groß wie zuletzt im Februar 2000.
Diese Sicht wurde öffentlich von "New Stock God" Serenity kritisiert, der vor allem bei stark zunehmenden Negativschlagzeilen Vorsicht empfiehlt, da Institutionen in solchen Phasen oft Liquidität benötigen.
In Südkorea stieg am 10. Juni das Open Interest von Put-Optionen auf den KOSPI-200 im Verhältnis zu Calls deutlich an und erreichte Niveaus, die in der Vergangenheit mit Kursrückgängen verbunden waren. Zum Schluss des letzten Handelstags lag das Verhältnis von Absicherungs-Puts zu spekulativen Calls nahe 2,5:1 – der höchste Stand seit fünf Jahren. Zusätzlich verkauften südkoreanische Privatanleger in der ersten Juniwoche ausländische Aktien im Wert von über 1 Bio. KRW; das könnte auf eine Rückkehr in den Heimatmarkt hindeuten.
SpaceX-IPO rückt näher: Nachfrage über 100 Mrd. US-Dollar, Liquidität im Fokus
Zuletzt rückte zudem das Thema Liquidität durch den anstehenden SpaceX-Börsengang in den Vordergrund. Nach aktuellen Informationen sollen Zeichnungen von Privatanlegern für das US-IPO bereits 100 Mrd. US-Dollar überschritten haben. SpaceX hatte angekündigt, 75 Mrd. US-Dollar einwerben zu wollen; 30% der Aktien seien für Privatanleger vorgesehen. Damit übersteigt die private Nachfrage das Angebot um mehr als das Vierfache.
US-Investor Jim Chanos sagte, Anleger preisten eher große Narrative als realistische Gewinnperspektiven ein; die Bewertungsmultiplikatoren von SpaceX lägen deutlich über denen von Tesla (TSLA.O). Auch Franklin Templeton sowie Staatsfonds aus Saudi-Arabien und Kuwait sollen in die Zeichnung eingestiegen sein. Auslandsmedien zufolge platzierten mehrere institutionelle Investoren jeweils Orders über rund 10 Mrd. US-Dollar oder mehr.
Bereits vor zwei Tagen hatte das IPO demnach mehr als 250 Mrd. US-Dollar Nachfrage angezogen, ebenfalls deutlich über dem Ziel von 75 Mrd. US-Dollar; die Überzeichnung lag nahe dem Vierfachen. Bei anhaltendem Trend könnte die Überzeichnungsquote bis zur offiziellen Notierung an diesem Freitag auf das Zehnfache steigen.
Tom Lee, Chairman bei Bitmine und als "Wall-Street-Orakel" bekannt, sagte, viele US-Aktienanleger verkauften bestehende Positionen, um Liquidität für die IPO-Zeichnung aufzubauen. Dieser Kapitalabzug könne ein zentraler Faktor für die jüngste Schwäche am US-Aktienmarkt sein.
Christophe Boucher, CIO von ABN Amro Investment Solutions (Rabobank-Tochter), verglich eine Teilnahme am SpaceX-IPO mit dem Kauf von Kryptowährungen vor etwa 15 Jahren: Entweder könne das gesamte Kapital verloren gehen oder es seien exponentielle Renditen möglich.
Trotz Sorgen über einen möglichen Liquiditätsengpass gehen Marktquellen zufolge S&P Dow Jones Indices davon aus, dass SpaceX für eine schnelle Aufnahme in bestimmte Indizes infrage kommt. Damit könnte SpaceX zu einem "phänomenalen" Schwergewicht am US-Markt werden.
Insgesamt dürften globale Aktienmärkte weiterhin stark von Liquidität, nationaler Politik und geopolitischen Entwicklungen rund um den Israel-Iran-Konflikt beeinflusst werden. Kurzfristig bleibt das Risiko erhöhter Volatilität durch nachrichtengetriebene Marktbewegungen bestehen, einschließlich wiederholter "Droh- und Entspannungs"-Zyklen in der Kommunikation Trumps.