Tokenisierung von Realwerten steigt auf 29,27 Mrd. US-Dollar – US-Staatsanleihen treiben Wachstum
Laut CoinDesk könnte die wichtigste Entwicklung im Digital-Asset-Sektor derzeit weniger der Bitcoin-Kurs oder der nächste Wettbewerb unter Public Blockchains sein, sondern die dynamische Ausweitung der Tokenisierung von Realwerten (Real-World Assets, RWA). Daten der Plattform RWA.xyz zufolge belief sich das Volumen tokenisierter Realwerte (ohne Stablecoins) per April 2026 auf 29,27 Mrd. US-Dollar. Tokenisierte US-Staatsanleihen stellten dabei mit 13,4 Mrd. US-Dollar den größten Anteil.
Im Verhältnis zu den globalen Kapitalmärkten bleibt das Segment klein, im Fokus steht für den Beitrag vor allem das Tempo. Seit Anfang 2023 ist der Markt von rund 1,5 Mrd. US-Dollar auf 29,27 Mrd. US-Dollar gewachsen – nahezu eine Verzwanzigfachung innerhalb von drei Jahren. Allein tokenisierte US-Treasuries legten von 380 Mio. US-Dollar im ersten Quartal 2023 auf 13,4 Mrd. US-Dollar zu.
Weitere Teilmärkte entwickeln sich ebenfalls: Tokenisierte Rohstoffe liegen demnach bei 7,3 Mrd. US-Dollar, getragen vor allem von goldbezogenen Produkten. Tokenisierte Aktien überschreiten 960 Mio. US-Dollar. Renditetragende On-Chain-USD-Instrumente stiegen um rund 8 Mrd. US-Dollar. Diese Produkte positionieren sich zwischen Stablecoins und tokenisierten Fonds und gelten als Übergangslösungen, mit denen Institutionen den Einstieg in On-Chain-Märkte vorbereiten.
Der Beitrag verweist zudem auf eine breite Beteiligung etablierter Finanzakteure. Mehr als 40 große Institute hätten tokenisierte Produkte auf öffentlichen Blockchains emittiert oder getestet, darunter BlackRock, Franklin Templeton, JPMorgan Chase, Citigroup Securities, Société Générale, Nasdaq, die New York Stock Exchange, HSBC, Euroclear und die Bank of England.
Bei den Beispielen nennt der Text BlackRocks tokenisierten Fonds BUIDL mit einer Größe von etwa 2,4 Mrd. US-Dollar. Er läuft auf Ethereum und wurde auf mehrere Blockchains ausgeweitet. Franklin Templeton betreibt seinen tokenisierten Geldmarktfonds BENJI ebenfalls multichain und kooperiert mit Ondo Finance bei einem tokenisierten ETF-Produkt, das rund um die Uhr über Krypto-Wallets handelbar sein soll.
Im Vergleich zu den On-Chain-Experimenten des Jahres 2021 sieht der Autor einen Strukturwechsel: Frühe Tokenisierung sei vor allem DeFi-getrieben gewesen, mit begrenztem Volumen und wenigen Anwendungsfällen. Heute dominierten große Asset Manager, Verwahrer, Börsen und Marktinfrastruktur-Anbieter. Tokenisierung verschiebe sich damit von Randexperimenten hin zu regulierten Finanzpfaden.
Nicht nur Vermögenswerte wanderten On-Chain, so die Argumentation, sondern auch Prozesse: Abwicklung, Besicherung, Kreditvergabe und Handel. Als Beispiele nennt der Text schnellere Settlements bei Treasury-Transaktionen, die Nutzung von Geldmarktfonds als DeFi-Collateral, 24/7-Handel bei ETFs sowie eine leichtere Stückelung, Übertragbarkeit und kontinuierliche Preisstellung für Anlageklassen wie Aktien und Private Credit.
Tokenisierte US-Treasuries hätten sich laut Autor zuerst durchgesetzt, weil sie Rendite- und Liquiditätsanforderungen zugleich bedienen. Unternehmen oder Fondsmanager halten kurzfristige US-Staatsanleihen typischerweise für risikoarme Erträge; in tokenisierter Form könnten sie die Treasury-Rendite beibehalten und zusätzlich von schnellerer Abwicklung, Peer-to-Peer-Transfers und der direkten On-Chain-Nutzung als Sicherheit profitieren.
Zu den Volumina einzelner Produkte nennt der Text Circle's USYC mit rund 2,7 Mrd. US-Dollar. Ondo-bezogene Produkte summierten sich auf etwa 2,6 Mrd. US-Dollar. BlackRocks BUIDL liege bei rund 2,4 Mrd. US-Dollar.
Als weiterer Beschleuniger gilt ein verändertes regulatorisches Umfeld in den USA. Der Beitrag verweist auf eine erste offizielle Stellungnahme der U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) zu tokenisierten Wertpapieren im Januar 2026. Im Februar folgte demnach die Zulassung für WisdomTrees tokenisierten Geldmarktfonds, Intraday-Handel zu betreiben. Im März veröffentlichten SEC und die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) gemeinsam Leitlinien zur Einstufung digitaler Vermögenswerte. Ergänzend werden das 2025 in Kraft getretene GENIUS Act im Stablecoin-Bereich sowie das im Mai 2026 im Ausschuss gebilligte CLARITY Act zur Marktstruktur genannt.
Fazit des Beitrags: Die Tokenisierung profitiert von klareren regulatorischen Leitplanken, was die Produktisierung durch große Finanzhäuser erleichtert. Zugleich wird betont, dass die Marke von 29,27 Mrd. US-Dollar keine Marktreife signalisiere, sondern darauf hindeute, dass institutionstaugliche Tokenisierung erst am Beginn einer Expansionsphase steht. Der Text ist als Meinungsbeitrag eingeordnet.