CFTC gerät wegen Personalfragen und Durchsetzungspraxis bei Krypto-Regulierung unter Druck
Wie CoinMarketCap berichtet, nimmt die Kritik an der Aufsichtspraxis der US-Rohstoffaufsicht CFTC (Commodity Futures Trading Commission) erneut zu. Auslöser ist eine Recherche der "New York Times": Mehrere langjährige Beamte, die Compliance-Fragen zu Prognosemarkt-Plattformen aufwarfen, seien später suspendiert, überprüft oder zum Ausscheiden gedrängt worden.
Laut Bericht hatten die betreffenden Mitarbeiter zuvor Bedenken zur Arbeitsweise von Polymarket, Crypto.com und verbundenen Unternehmen geäußert. Im Fokus standen Verbraucherschutz, Kontrollen zur Betrugsprävention sowie die Frage, ob bestimmte verbundene Einheiten notwendige regulatorische Prüfungen durchlaufen hätten. In der Folge seien die damalige amtierende Vorsitzende Caroline Pham und die leitende Rechtsberaterin Brigitte Weyls beschuldigt worden, den Firmen geholfen zu haben, ihren Betrieb fortzusetzen. Bis Ende 2025 seien mindestens zwei der Hinweisgeber in den Verwaltungsurlaub versetzt worden; drei weitere Mitarbeiter aus dem Bereich Krypto-Durchsetzung hätten eine ähnliche Behandlung erfahren. Interne Quellen beschrieben die Botschaft innerhalb der CFTC demnach als: "Keine Schwierigkeiten machen."
Der Bericht zeichnet zudem das Bild einer deutlich abgeschwächten Krypto-Durchsetzung unter der aktuellen Administration. Demnach soll die CFTC mindestens fünf Untersuchungen im Kryptobereich zurückgezogen und nur zwei neue Enforcement-Verfahren eingeleitet haben. Beide richteten sich gegen einzelne Betreiber und nicht gegen große Plattformen oder Unternehmen.
Das Weiße Haus wies Vorwürfe möglicher Interessenkonflikte zurück. Sprecher Davis Ingle sagte der "New York Times", es gebe keine entsprechenden Probleme. Im März startete die CFTC zudem ein breiter angelegtes Regelsetzungsverfahren zu sogenannten Event Contracts und bat um Stellungnahmen, unter anderem zu Einschränkungen im öffentlichen Interesse, Kosten-Nutzen-Analysen und der künftigen regulatorischen Ausrichtung.
Parallel zur Debatte auf Bundesebene laufen Auseinandersetzungen in den Bundesstaaten weiter. Reuters berichtete zuvor, dass die CFTC am 24. April den Bundesstaat New York verklagte und ihm vorwarf, durch Eingriffe in Zuständigkeiten die föderale Regulierungskompetenz zu überschreiten. Zuvor hatte New York Coinbase Financial Markets und Gemini Titan wegen Prognosemarkt-Produkten verklagt.
Auch im US-Kongress wächst der Druck wegen Personalengpässen und unbesetzter Führungspositionen. In der vergangenen Woche forderte der House Agriculture Committee Präsident Trump auf, die vier vakanten Kommissarsposten der Behörde zügig zu besetzen. Ein Gremium mit nur einem verbleibenden Kommissar sei angesichts wachsender Aufgaben in der Regulierung von Kryptowährungen und Prognosemärkten nicht handlungsfähig.
Polymarket arbeitet derweil weiter an einem Compliance-Comeback in den USA. Das Unternehmen befindet sich nach eigenen Angaben im Austausch mit der CFTC, um ein vierjähriges US-Verbot im Zusammenhang mit einer Durchsetzungsmaßnahme aus dem Jahr 2022 aufheben zu lassen. In dem Fall hatte Polymarket eine Vergleichszahlung von 1,4 Mio. US-Dollar geleistet; die laufenden Gespräche sollen sich auf Vertragsdesign, KYC und Meldepflichten konzentrieren. Frühere Berichte zufolge übernahm Polymarket im Jahr 2025 die CFTC-registrierte Börse QCX LLC für rund 112 Mio. US-Dollar – ein Schritt, der als wichtiger Baustein für eine Rückkehr in den US-Markt unter regulatorischer Konformität gilt.
Auf legislativer Ebene hat der Senate Banking Committee zudem den CLARITY Act mit 15 zu 9 Stimmen vorangebracht. Das Vorhaben sieht vor, die Zuständigkeiten für digitale Vermögenswerte zwischen der SEC und der CFTC neu zu verteilen.