Michael Burry warnt vor Risiken der SEC-Pläne zu tokenisierten Aktien: "Snow-Crash"-Zukunft
Michael Burry hat in dieser Woche davor gewarnt, dass die USA auf eine "Snow Crash"-Cyberpunk-Zukunft zusteuern könnten. Anlass sind geplante Regeln der US-Börsenaufsicht SEC, die Krypto-Plattformen den Handel mit tokenisierten Abbildungen klassischer Aktien erleichtern würden.
In einem Beitrag vom 19. Mai auf seinem Substack "Cassandra Unchained", den er auch auf X spiegelte, griff der "Big Short"-Investor den 1992 erschienenen Roman "Snow Crash" von Neal Stephenson auf. Die dystopische Erzählung zeichnet ein fragmentiertes Amerika, in dem Konzerne staatliche Funktionen übernehmen, Menschen sich in virtuelle Welten zurückziehen und Beziehungen unter digitaler Identität und ökonomischer Sortierung erodieren. Burry verknüpfte dieses Szenario mit Berichten, wonach die SEC unter der Trump-Regierung an einer weit gefassten "Innovation Exemption" arbeitete, die Krypto-Firmen das Listen tokenisierter Versionen von US-Aktien erlauben würde.
"Wir könnten mit Vollgas in eine Snow-Crash-Cyberpunk-Zukunft steuern, ohne langfristige persönliche Beziehungen, und mit digitalem Wert in jedem von uns, der direkt mit dem Wert korreliert, den wir einer Gesellschaft liefern, die das Menschliche zunehmend entwertet", schrieb Burry. In einem Kommentar ergänzte er: "Regulierer haben einen Job. Öffnet keine gruseligen Türen."
Bloomberg hatte am 18. Mai berichtet, das SEC-Vorhaben könne einen leichteren regulatorischen Pfad für blockchainbasierte Repräsentationen börsennotierter Unternehmensanteile schaffen. Krypto-Anbieter könnten demnach tokenisierte Aktien potenziell auch ohne direkte Zustimmung der jeweiligen Unternehmen und ohne vollständige Aufsicht nach klassischen Kapitalmarktstandards handeln lassen. Das würde 24/7-Handel auf Blockchain-Plattformen ermöglichen. Kritiker warnen vor Risiken durch Emissionen durch Dritte, Abwicklungs- und Settlement-Probleme, Kursmanipulation sowie Lücken beim Anlegerschutz. Traditionelle Aktienmärkte würden damit stärker den Mechanismen des Kryptomarktes angenähert.
Die SEC setzte die Initiative später aus. Am 22. Mai 2026 wurde laut Berichten eine Verzögerung bestätigt. Eine offizielle Begründung blieb aus; die Pause deutet auf internen Vorbehalt oder externen Druck hin.
Tokenisierung realer Vermögenswerte wie Aktien, Anleihen und Immobilien weckt seit Längerem Interesse bei Wall-Street-Institutionen, die schnellere Abwicklung, Bruchteilseigentum und breiteren globalen Zugang anstreben. Auch die Depository Trust and Clearing Corporation (DTCC) hat Varianten des Konzepts untersucht. Burry sieht die Gefahr, dass die Grenzen zwischen etabliertem Marktinfrastrukturbetrieb und weniger regulierter Krypto-Infrastruktur verwischt werden.
Seine Kritik zielt dabei nicht nur auf Marktmechanik. Auf "Cassandra Unchained" schreibt Burry seit Längerem über KI-Hype, die Konzentration von Venture Capital und Märkte, die er als von Fundamentaldaten entkoppelt betrachtet. Er verwies auf eine Zahl, wonach in einem Berichtszeitraum 87 Prozent der jüngsten Venture-Capital-Zuflüsse in KI geflossen seien.
Der "Snow Crash"-Post fand breite mediale Resonanz und wurde vielfach als Warnsignal vor der Annäherung von Krypto und traditioneller Finanzwelt (TradFi) interpretiert. Kritiker, vor allem aus der Kryptoszene, werten Burrys Skepsis oft als reflexhaften Pessimismus. Unterstützer verweisen auf seine Trefferquote vor der US-Immobilienkrise 2008.
Burry zeigte in früheren Substack-Beiträgen zwar punktuell Interesse daran, Tokenisierung besser zu verstehen, seine Grundhaltung gegenüber Krypto-Spekulation ist seit Jahren vorsichtig. Welche Richtung die SEC nun bei tokenisierten Aktien einschlägt, dürfte zum Präzedenzfall dafür werden, wie Digital-Asset-Plattformen künftig mit Aktienmärkten interagieren, die über Jahrzehnte durch Anlegerschutzrecht geprägt wurden.