Kevin Warsh übernimmt Fed-Vorsitz nach einstimmigem FOMC-Votum

Kevin Warsh hat offiziell den Vorsitz der US-Notenbank Federal Reserve übernommen. Er legte den Amtseid ab und erhielt vom Federal Open Market Committee (FOMC) einstimmige Unterstützung. Der Führungswechsel erfolgt in einem Umfeld weiterhin erhöhter Inflation und spürbarer Meinungsunterschiede im FOMC. Die Fed hielt den Leitzins in der jüngsten Sitzung unverändert in der Spanne von 3,50% bis 3,75%. Aus dem Weißen Haus kommt zuletzt zunehmend Kritik an der vorsichtigen Haltung der Notenbank. Eine Bestätigung mit historisch knappem Ergebnis Warsh wurde in diesem Monat vom US-Senat mit 54 zu 45 Stimmen bestätigt – der engste Bestätigungsabstand für einen Fed-Vorsitz in der Geschichte der USA. Präsident Donald Trump hatte Warsh am 4. März 2026 nominiert. Warsh' Amtszeit als Fed-Chair läuft bis Mai 2030, sein Mandat im Board of Governors reicht bis Januar 2040. Warsh war bereits von 2006 bis 2011 Mitglied des Fed-Gouverneursrats unter dem damaligen Vorsitzenden Ben Bernanke. In der Finanzkrise 2008 wirkte er an der Koordination des Verkaufs von Bear Stearns an JPMorgan Chase, an den Abläufen rund um Lehman Brothers sowie an der Rettung von AIG mit. Nach seinem Ausscheiden arbeitete er mehrere Jahre als Fellow an der Hoover Institution der Stanford University und kehrte anschließend in die Privatwirtschaft zurück. Jerome Powell bleibt nach seinem Rücktritt als Chair weiterhin Mitglied des Board of Governors. Powell hatte den Vorsitz seit 2018 inne. Kurs unter Warsh: Prioritäten und mögliche Akzente Warsh kündigte an, die Fed "streng unabhängig" zu führen und sich damit gegen Trumps wiederholte Forderungen nach niedrigeren Finanzierungskosten zu stellen. Er befürwortet eine kleinere Fed-Bilanz sowie ein enger gefasstes institutionelles Mandat. Zudem sprach er sich für strengere Grenzen bei öffentlichen Aussagen von Fed-Vertretern zum künftigen Zinskurs aus. Seine Offenlegungen zu Krypto- und KI-bezogenen Finanzpositionen weisen persönliche Beteiligungen am Stablecoin-Projekt Basis sowie am Krypto-Asset-Manager Bitwise aus. Zugleich erklärte Warsh, Bitcoin (BTC) sei zu volatil, um als Zahlungsmittel zu dienen. Nachdem der US-Erzeugerpreisindex (PPI) im April 6% erreicht hat, richten sich die Blicke der Märkte auf die aktuelle Zinspause der Fed. Warsh' erste FOMC-Sitzung gilt als erste konkrete Bewährungsprobe für seine Unabhängigkeit gegenüber Trump.