JPMorgan-Finanzchef warnt: Stablecoins könnten zum Vehikel für "regulatorische Arbitrage" werden
JPMorgan-Chase-Finanzchef Jeremy Barnum warnt davor, dass Stablecoins zu einem Instrument der "regulatorischen Arbitrage" werden könnten, falls neue Vorschriften nicht eng an die Standards des traditionellen Bankensystems angelehnt werden. In der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des ersten Quartals am Dienstag stellte Barnum die Diskussion weniger als Technologiewandel dar, sondern als Frage wirksamer Aufsicht.
Einige Stablecoin-Modelle könnten bankähnliche Produkte nachbilden, dabei aber Schutzmechanismen umgehen, die für Einlagen gelten, etwa Vorgaben zu Zinszahlungen und Kundenschutz. "Wenn dasselbe Produkt nicht gleich reguliert wird, öffnet man der Arbitrage die Tür", sagte Barnum und verwies auf Konstruktionen, die Prämien anbieten, die einer Rendite ähneln. In diesem Fall könnten Unternehmen faktisch "eine Bank betreiben", ohne den zentralen Bankvorschriften zu unterliegen.
Die Aussagen fallen in eine Phase, in der US-Gesetzgeber neue Regelwerke für digitale Vermögenswerte diskutieren. Der vorgeschlagene Clarity Act soll festlegen, wie die Zuständigkeiten in Kryptomärkten zwischen Behörden wie der Securities and Exchange Commission und der Commodity Futures Trading Commission aufgeteilt werden. Zugleich ist er Teil breiterer Bemühungen um klarere Regeln für Stablecoins und verwandte Produkte.
Ein zentraler Streitpunkt bleibt, ob Emittenten von Stablecoins — Krypto-Token, deren Wert an traditionelle Vermögenswerte, meist den US-Dollar, gekoppelt ist — Nutzern eine Rendite anbieten dürfen. Einige Krypto-Unternehmen, darunter Coinbase (COIN), drängen darauf, Zinsen aus Reserveanlagen an Coin-Inhaber weitergeben zu dürfen. Das würde Stablecoins ihrer Ansicht nach als Sparinstrument attraktiver machen.
Banken halten dagegen: Rendite tragende Stablecoins kämen Einlagen nahe, ohne vergleichbare Kapital-, Liquiditäts- und Verbraucherschutzanforderungen. Aus ihrer Sicht entstünde ein ungleiches Spielfeld, weil Nichtbanken Gelder anziehen könnten, indem sie Erträge bieten, die regulierten Banken so nicht möglich sind. In Washington D.C. gilt die Frage mittlerweile als Kernkonflikt: Wie lässt sich verhindern, dass Stablecoins bankähnliche Produkte außerhalb des traditionellen Regulierungsrahmens werden?
Barnum sagte, JPMorgan unterstütze den Vorstoß zu mehr Klarheit, betonte aber, Konsistenz sei wichtiger als Tempo. Ohne einheitliche Regeln könnten neue Anbieter Vorteile erzielen, indem sie außerhalb bestehender Grenzen operieren.
Eine Disruption des Kerngeschäfts im Zahlungsverkehr erwartet Barnum nicht. JPMorgan betreibt bereits ein großes Wholesale-Zahlungsnetzwerk, das Transaktionen kostengünstig und schnell abwickelt; für margengetriebene Angriffe bleibe wenig Spielraum. Stattdessen integriere die Bank ähnliche Technologie in die eigenen Systeme. Über die Blockchain-Einheit Kinexys hat JPMorgan Werkzeuge wie JPM Coin und tokenisierte Einlagen entwickelt, mit denen institutionelle Kunden rund um die Uhr Geld bewegen und Transaktionen automatisieren können. Barnum ordnete das als Teil einer umfassenden Modernisierungsstrategie ein: Funktionen, die häufig mit Stablecoins verbunden werden — etwa programmierbare Zahlungen — würden in bestehende Infrastruktur eingebaut, nicht durch sie ersetzt.
Auf der Verbraucherseite würden Stablecoins oft als "digitales Bargeld" vermarktet, stießen aber weiterhin auf bekannte Compliance-Anforderungen, einschließlich Identitätsprüfungen, sagte Barnum.
JPMorgan meldete für das erste Quartal besser als erwartete Ergebnisse, gestützt durch eine Erholung im Handel und im Investmentbanking. Der Nettogewinn stieg im Jahresvergleich um 13% auf 16,49 Mrd. US-Dollar, der Umsatz legte um 10% auf 50,54 Mrd. US-Dollar zu. Zudem stellte die Bank weniger als erwartet für mögliche Kreditausfälle zurück, was auf stabile Kreditbedingungen bei den Kunden hindeutet.