US-Bankenverband stellt Coinbase' Trust-Charter infrage und warnt vor Aufsichts- und Verbraucherrisiken
Coinbase' Vorstoß in den Bankensektor stößt in den USA auf wachsenden Widerstand. Die Independent Community Bankers of America (ICBA) kritisieren die bedingte Genehmigung der Office of the Comptroller of the Currency (OCC) für die Coinbase National Trust Company und sehen Risiken für Verbraucher sowie Lücken in der Aufsicht.
Kernaussagen:
- Die ICBA greift die bedingte OCC-Zulassung für Coinbase an und warnt vor erhöhten Risiken für US-Verbraucher.
- Mit dem Trust-Modell will Coinbase Global Inc. vor allem die institutionelle Verwahrung stärken und die Verzahnung von Krypto und Bankensystem vertiefen.
- Die ICBA fordert Änderungen an den Regeln für nationale Trust-Banken und signalisiert härtere Maßstäbe, falls weitere Nichtbanken ähnliche Charter anstreben.
ICBA kritisiert OCC-Entscheidung zu Coinbase
Die OCC erteilte am 2. April eine bedingte Genehmigung für die Coinbase National Trust Company. Grundlage ist ein Antrag, den Coinbase am 3. Oktober 2025 eingereicht hatte.
ICBA-Präsidentin und CEO Rebeca Romero Rainey nannte die Entscheidung einen „schwerwiegenden Fehler“, der US-Verbraucher gefährde. In einem Schreiben an die OCC argumentiert der Verband, der Antrag erfülle weder die Anforderungen des National Bank Act noch die eigenen Vorschriften und Standards der Behörde. Zugleich äußert die ICBA grundsätzliche Bedenken gegen die OCC-Regelung zur Charter-Vergabe für nationale Trust-Banken, die aus Sicht des Verbands nicht mit der gesetzlichen Ermächtigung, der Gesetzgebungshistorie, gerichtlichen Auslegungen und internen Präzedenzfällen der Behörde vereinbar sei.
Coinbase plant laut Antrag die Gründung einer nicht versicherten nationalen Trust-Bank mit Sitz in New York. Die Gesellschaft soll als hundertprozentige Tochter von Coinbase Global Inc. operieren und auf institutionelle Verwahrung, die Integration in Handelsprozesse sowie treuhänderische Dienstleistungen für digitale Vermögenswerte ausgerichtet sein. Beschrieben werden eine Governance-Struktur mit Board und Management sowie Risk-Management-Rahmenwerke für Compliance, Sicherheit und Geldwäscheprävention. Das Geschäftsmodell ist als rein digitales, landesweites Angebot ohne Filialnetz vorgesehen und richtet sich an institutionelle Kunden.
Aufsichts- und Systemrisiken bei wachsenden Krypto-Bankenrollen
In ihrem Schreiben listet die ICBA operative Schwachstellen auf, darunter aus ihrer Sicht unzureichende Risikokontrollen, eine begrenzte Profitabilitätsperspektive und offene Fragen zur Abwicklungsplanung. Diese Punkte wertet der Verband als Hinweise auf strukturelle Defizite im geplanten Trust-Bank-Konstrukt.
Zudem warnt die ICBA, eine Ausweitung nicht treuhänderischer Trust-Befugnisse überschreite regulatorische Kompetenzen und schaffe zusätzliche Unsicherheit in der Finanzaufsicht. Der Verband sieht in der steigenden Zahl von Anträgen nichtbanklicher Akteure den Versuch, Charter-Vorteile zu erlangen, ohne sämtliche aufsichtsrechtlichen Pflichten zu erfüllen. Das könne eine einheitliche Aufsicht untergraben und zu ungleichen Standards zwischen Finanzinstituten führen.
Kritisch bewertet die ICBA auch Modelle, die es nicht versicherten nationalen Trust-Banken erlauben würden, Kryptoaktivitäten ohne strengere prudenzielle Anforderungen auszuüben. Aus Sicht des Verbands würden damit Schutzmechanismen umgangen, die für klassische Banken gelten, was weitergehende ordnungspolitische Fragen aufwerfe.
Die ICBA fordert die Aufseher auf, die Charter-Regel zurückzuziehen oder anzupassen, damit sie mit gesetzlicher Grundlage und etablierter Praxis übereinstimmt. Der Verband kündigte an, den Austausch mit politischen Entscheidungsträgern fortzusetzen, um klare Aufsichtsstandards zu sichern und die Stabilität im Finanzsystem zu wahren.