Humanity Protocol: H-Token bricht nach 34-Mio.-US$-Exploit um 99,9% ein
Humanity Protocol steht nach einem schweren Sicherheitsvorfall unter massivem Druck: Ein Angreifer soll auf der BNB Chain nahezu die gesamte an den H-Token gebundene Liquidität ausgeräumt haben. Der Angriff läuft seit mehr als 13 Stunden, der Kurs des Tokens ist um 99,9% eingebrochen.
Onchain-Daten deuten darauf hin, dass der Angreifer wiederholt neue H-Token prägte und sie anschließend in Liquiditätspools abverkaufte. Der Blockchain-Tracker EmberCN berichtet, dass dabei rund 300 Mio. H-Token gemintet wurden. Die dem Exploit zugeordnete Wallet soll insgesamt nahezu 34 Mio. US$ abgezogen haben, bevor die Liquidität fast vollständig versiegte. Im betroffenen BNB-Chain-Pool verbleiben laut Angaben nur noch 13 US$ Liquidität, wodurch ein geordneter Ausstieg für Trader faktisch nicht mehr möglich ist.
Humanity Protocol führt den Vorfall auf einen kompromittierten Private Key eines Mitglieds der Humanity Foundation zurück. Nach Angaben des Teams erhielten die Angreifer Zugriff auf mehrere Multisig-Signer-Keys, die mit Bridge-Verträgen und Treasury-Wallets verknüpft sind. In der Folge seien Verträge upgegradet und große Mengen H-Token aus mehreren Wallets transferiert worden. Später teilte das Projekt mit, dass drei von sechs Bridge-Owner-Keys sowie drei von fünf Schlüsseln der BNB-Chain-Safe-Wallet kompromittiert wurden.
Sicherheitsforscher kritisierten umgehend das Key-Management und fragten, wie eine einzelne Person mehrere besonders sensible Signer-Keys innerhalb desselben Systems kontrollieren konnte. Yearn-Entwickler Banteg verwies auf die ungewöhnliche Multisig-Struktur. Mikko Ohtamaa, Mitgründer von Trading Strategy, bemängelte zudem den Widerspruch zwischen Humanitys identitätsfokussierter Mission und einer konzentrierten Schlüsselverwaltung.
Der Vorfall bringt auch die jüngste Kursentwicklung erneut in den Fokus. Der H-Token war Ende Mai um nahezu 400% gestiegen, bevor der Exploit bekannt wurde. Mehrere Analysten stellten infrage, ob die Rallye auf organischer Nachfrage beruhte. Blockchain-Ermittler ZachXBT kritisierte frühere Aussagen des Projekts und verlangte Transparenz zu möglichen Market-Maker-Beziehungen. Nach Prüfung von Geldwäscheaktivitäten in Verbindung mit den Angreifer-Wallets relativierte er später seine anfängliche Einschätzung, der Exploit wirke verdächtig.
PeckShield schätzt, dass nahezu 190 Mio. H-Token aus mehr als 280 Wallets abgezogen wurden. Beosin identifizierte zudem Contract-Upgrades, die direkte Token-Transfers aus Opfer-Wallets ermöglichten.
Zusätzliche Spekulationen befeuert das Timing: In wenigen Wochen wollte Humanity Protocol 266,5 Mio. vestinggebundene Token für Investoren und Teammitglieder freischalten. Kritiker hinterfragen weiterhin Governance, Token-Verteilungsmodell und die operative Transparenz.
Der H-Token notiert zuletzt bei rund 0,2038 US$ und hat binnen 24 Stunden nahezu 70% verloren. Trotz eines Handelsvolumens von über 455 Mio. US$ im selben Zeitraum ist auch die Marktkapitalisierung deutlich gesunken.
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