CFTC genehmigt ersten US-Perpetual-Futures-Kontrakt auf Bitcoin

Die US-Derivateaufsicht CFTC hat den Weg für echte Bitcoin-Perpetual-Futures in den USA geöffnet. KalshiEX LLC erhielt eine formelle Genehmigung, den Kontrakt BTCPERP zu listen. Parallel dazu bekam Coinbase Financial Markets (CFM) von CFTC-Mitarbeitern eine separate, konditionierte Erleichterung, um US-Kunden unter bestimmten Voraussetzungen Zugang zu ausgewählten Deribit-Produkten zu ermöglichen. Die CFTC stufte Kalshis BTCPERP per Kommissionsbeschluss als Futures-Kontrakt ein. Damit darf die als "Designated Contract Market" registrierte Börse einen Bitcoin-Perpetual ohne Laufzeitende anbieten, der an den Spotpreis von BTC gekoppelt ist. Am selben Tag bestätigte die CFTC-Market-Participants-Division in einem Schreiben, dass bestimmte von Coinbase beschriebene Deribit-Derivate auf digitale Rohstoffe bei Abwicklung über die registrierte FCM-Struktur von Coinbase als "foreign futures" im Sinne von Regulation 30.1 behandelt werden können. CFTC-Chairman Mike Selig wertete den Kalshi-Beschluss als Einlösung seiner Zusage, Krypto-Perpetuals in die USA zu holen. Zusammengenommen verlagern die Maßnahmen die Debatte von der Theorie in einen Marktstruktur-Test: Ein Ansatz bringt einen Bitcoin-Perpetual direkt auf eine US-regulierte Börse, der andere schafft für Coinbase einen staff-level Zugangskorridor, über den US-Kunden über CFM, Coinbase Bermuda und Deribit-Affiliates in globale Krypto-Derivateliquidität gelangen können. Die Marktreaktion fiel unterschiedlich aus. Michael Saylor verwies auf Fortschritte für Bitcoin-Kapitalmärkte wie 24/7-Handel, BTC als Kollateral, Perpetuals und Optionen sowie regulierten Zugang. Coinbase-CEO Brian Armstrong stellte den Kundenzugang in den Vordergrund und betonte die Größenordnung des Marktes, zu dem US-Nutzer bislang keinen regulierten Zugang hatten: "Bislang waren US-Nutzer von rund 80% der globalen Kryptomärkte ausgeschlossen." Rechtlich ist die Trennlinie entscheidend: Kalshis Zulassung ist ein bindender Kommissionsbeschluss, Coinbases Route beruht auf einer Interpretation und No-Action-Position der CFTC-Mitarbeiter, also factspezifisch, nicht bindend und widerrufbar. Das beeinflusst Haltbarkeit und Reichweite. Zwei Wege, zwei Rechtsgewichte Kalshis Genehmigung erfolgte nach Section 5c(c)(4) des Commodity Exchange Act und Regulation 40.3. Die Behörde kam zu dem Schluss, dass die Listung von BTCPERP als Futures-Kontrakt mit dem CEA und den Regeln der CFTC vereinbar ist. In der CFTC-Mitteilung heißt es, Kalshi habe den Kontrakt am 29. Mai eingereicht; im Beschluss wird als Einreichdatum der 28. Mai genannt. Die Genehmigung ist auf den 29. Mai datiert. Coinbases Ansatz ist technisch und an Bedingungen geknüpft. Die CFTC-Mitarbeiter erklärten, die in der Anfrage beschriebenen Deribit-Produkte könnten als "foreign futures" kategorisiert werden. Zugleich sagten sie unter festgelegten Voraussetzungen zu, keine Durchsetzungsmaßnahmen zu empfehlen, insbesondere in Bezug auf Kundendigitalassets und Zahlungs-Stablecoins, die über Coinbase-Affiliates als Margin gestellt werden. Kalshi testet damit, ob eine US-Börse einen Perpetual direkt über die Produktzulassung der CFTC listen kann. Coinbase testet, ob eine registrierte FCM US-Kunden beaufsichtigten Zugang zu Produkten eines "foreign board of trade" bieten kann, während Anforderungen zu Margin, Offenlegungen und Affiliate-Kontrollen eingehalten werden. Coinbase erklärte, institutionelles Onboarding könne sofort beginnen; Optionen auf Deribit seien über CFM bereits verfügbar, Perpetual-Futures sollen folgen. Ein breiterer Zugang, inklusive Retail, werde später erwartet. Kalshi bezeichnete sein Angebot als das erste US-Perpetual-Produkt und kündigte an, US-Investoren würden bald über die eigene Plattform auf CFTC-regulierte Krypto-Perpetual-Futures zugreifen können. Zudem wolle man Krypto-Perpetuals auf mehr als einem Dutzend Währungen starten, vorbehaltlich regulatorischer Prüfungen. Was bei Kalshi genehmigt wurde Laut Beschluss ist BTCPERP ein cash-settled Derivat auf den US-Dollar-Spotpreis von 1 BTC, gemessen am CF Benchmarks Bitcoin Real Time Index. Gehandelt wird in Einheiten von 0,0001 Bitcoin. Der Handel soll 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche möglich sein, vorbehaltlich Kalshi-Handelsunterbrechungen. Kernelement ist das fehlende feste Ablaufdatum. Da Perpetuals keine Endabrechnung haben, muss die Annäherung an den Spotpreis laufend funktionieren. BTCPERP nutzt dafür periodische Funding-Zahlungen zwischen Long- und Short-Positionen, basierend auf der Differenz zwischen Mark-Preis des Kontrakts und dem Referenzpreis. Liegt der Kontrakt über Spot, zahlen Longs an Shorts; liegt er darunter, zahlen Shorts an Longs. Dieser Zahlungsmechanismus soll den Preis wirtschaftlich in Richtung Referenzpreis ziehen. Die CFTC stützt ihre Begründung stark auf die Marktstruktur von Bitcoin: kontinuierlicher Handel über breit verteilte Handelsplätze, ein beobachtbarer Referenzpreis während der Handelszeiten des Kontrakts, ein tiefer und aktiver Spotmarkt sowie 24/7-Spothandel, der Arbitrage während des Perpetual-Handels ermöglicht. Gleichzeitig begrenzt die Behörde die Tragweite. Die Analyse gelte nur für BTCPERP und ähnlich konstruierte Perpetuals, die auf Bitcoin oder andere digitale Rohstoffe mit tiefem, aktivem und kontinuierlichem Spotmarkt verweisen. Andere Assetklassen seien ausdrücklich nicht erfasst; die Einordnung erfolge weiterhin fallbezogen. CFTC-Produktunterlagen zeigen, dass Bitnomial-Produkte mit der Bezeichnung Perpetual Futures im Mai 2026 zertifiziert wurden. Coinbase Derivatives hatte zuvor ein "nano Bitcoin Perp Style Futures"-Produkt mit einem weit in der Zukunft liegenden Verfall im Dezember 2030 eingereicht. Warum Coinbase weiter zentral bleibt Die Coinbase-Erleichterung hat weniger Bestand als ein Kommissionsbeschluss, kann aber kurzfristig den Zugang zu Liquidität prägen. Coinbase verweist auf Deribit als großen Handelsplatz nach Volumen und Open Interest. Laut Coinbase entfallen rund 80% des globalen Krypto-Handelsvolumens auf Derivate, während US-Kunden bislang keine regulierte Route zu großen Teilen dieser Liquidität hatten. In einem früheren Investor-Update nach Abschluss der Deribit-Übernahme nannte Coinbase für Juli 2025 ein Deribit-Handelsvolumen von über 185 Mrd. US-Dollar sowie ein Open Interest von rund 60 Mrd. US-Dollar. Die Struktur: CFM ist als FCM registriert. Kunden sollen Zugriff auf bestimmte digitale Rohstoffderivate erhalten, die bei Deribit FZE gelistet sind, das im Schreiben als verbundenes "foreign board of trade" beschrieben wird. Kundenorders würden über Coinbase Bermuda Limited, einen verbundenen ausländischen Broker, zu Deribit geroutet. Die Mitarbeiter nahmen zudem Stellung zur Margin-Behandlung. Die No-Action-Position deckt definierte Konstellationen ab, in denen CFM kundeneigene digitale Rohstoffe und Zahlungs-Stablecoins bei dem ausländischen Broker-Affiliate als Margin für Foreign-Futures- und Optionspositionen hinterlegt, selbst wenn der ausländische Broker Wiederverwendungsrechte an diesen Vermögenswerten hat. Die Erleichterung ist an Bedingungen gebunden, darunter Eigentumsverhältnisse innerhalb der Coinbase-Struktur, Offenlegungen, operative Kontrollen, Bestätigungen sowie die Beschränkung der Nutzung von Kundendigitalassets auf Margining bzw. die Besicherung von Kundenverpflichtungen. Diese Ausgestaltung macht den Coinbase-Weg attraktiv für Distribution und Reichweite, hinterlässt aber eine deutlich geringere Präzedenzwirkung als Kalshis Beschluss. Das Schreiben stellt klar: Die Positionen gelten nur für die Market Participants Division, sind nicht bindend für die Kommission oder andere CFTC-Stellen, beruhen auf den dargestellten Fakten und können geändert, ausgesetzt, beendet oder eingeschränkt werden. Der nächste Test: Folgt die Liquidität? Die CFTC steuert seit über einem Jahr auf diesen Punkt zu. Im April 2025 hatte die Behörde um Stellungnahmen zu Perpetual-Derivaten gebeten, einschließlich Nutzen, Risiken, Marktintegrität, Kundenschutz, Retail-Handel, Clearing und Risikomanagement. Die Entwicklung passt zudem zu dem US-Bestreben, regulierte Derivate-Infrastruktur an den Always-on-Charakter von Krypto anzupassen. Jetzt stehen zwei Modelle nebeneinander: ein von der Kommission genehmigtes Produkt an einer US-Börse und ein staff-cleared Zugangspfad zu Foreign-Futures-Produkten über eine registrierte FCM. Beide könnten dazu beitragen, Perpetual-Aktivität in stärker überwachte US-Kanäle zu verlagern. Ob die Handelsströme tatsächlich folgen, ist offen. Regulierter Wettbewerb muss bei Produktbreite, Margin-Effizienz, Funding-Qualität und Broker-Distribution mit Offshore-Börsen mithalten. Entscheidend werden praktische Signale sein: die Launch-Konditionen von Kalshi für BTCPERP, Coinbases Zeitplan für Perpetual-Futures über CFM, der Umgang mit Retail-Zugang, welche Assets die CFTC über Bitcoin hinaus zulässt und ob formale Regelsetzung oder der Kongress die aktuelle Behördenlinie später in schwerer rückgängig zu machende Vorgaben überführt.