Bitcoin erholt sich über 60.000 US-Dollar – Markt diskutiert, ob das Tief nahe ist
Bitcoin hat sich nach dem Rutsch unter 60.000 US-Dollar wieder gefangen und die Debatte neu entfacht, ob die laufende Korrektur ihren Boden bereits gesehen hat. Laut CoinDesk fiel der Kurs in der vergangenen Woche bis auf 59.100 US-Dollar, diese Woche stieg er wieder auf rund 64.000 US-Dollar. Signale aus Funding-Raten und On-Chain-Daten liefern dabei weiter ein uneinheitliches Bild.
Geoffrey Kendrick, Leiter der Digital-Assets-Research bei Standard Chartered, schrieb in einem Kundenbericht, er halte das zyklische Tief womöglich bereits für erreicht. Als mögliche Treiber nennt er zwei Faktoren: Erwartungen einer Entspannung in den Beziehungen zwischen den USA und Iran sowie den bevorstehenden Börsengang von SpaceX. Sinkende geopolitische Spannungen könnten den Aufwärtsdruck auf Ölpreise und Renditen von US-Staatsanleihen mindern und das Umfeld für Risikoanlagen verbessern. Zudem könnte ein Teil der Anleger zuvor Bitcoin-ETF-Positionen reduziert haben, um Kapital für das SpaceX-Angebot freizumachen; nach Abschluss der Transaktion könnte der konzentrierte Verkaufsdruck bei ETFs nachlassen.
Im Fokus stehen On-Chain-Kennzahlen, die laut Marktbeobachtern in eine sensible Zone rücken. CryptoQuant-Daten zeigen, dass der aktuelle Bitcoin-Preis nach dem Rücksetzer nur noch rund 9% über dem sogenannten "Realized Price" liegt. Dieser Wert bildet die durchschnittlichen Anschaffungskosten aller im Umlauf befindlichen Bitcoins ab, basierend auf dem Preis, zu dem jede Einheit zuletzt bewegt wurde. Historisch näherte sich der Marktpreis in der Nähe großer Bärenmarkt-Tiefs häufig diesem Realized Price an, weshalb einige Analysten das aktuelle Niveau als bewertungssensitiven Bereich einstufen.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält die Beobachtung, dass derzeit mehr als die Hälfte der umlaufenden Bitcoins mit Buchverlust gehandelt wird, also von Anlegern zu höheren Kursen gekauft wurde als dem aktuellen Marktpreis. Analyst Vetle Lunde sieht solche Konstellationen in der Vergangenheit oft in der Nähe von Marktböden, weil profitable Positionen, die weiter verkaufen könnten, deutlich abgenommen haben. Er warnt zugleich, dass vor einer nachhaltigen Erholung auch ein weiterer Rückgang möglich bleibt.
Als größter Belastungsfaktor gelten weiterhin Abflüsse aus ETFs. Der Kern der negativen Argumentation ist eine nachlassende Nachfrage. Bloomberg-Daten zufolge verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs in den vergangenen vier Wochen einen Nettoabfluss von etwa 5,8 Mrd. US-Dollar, ein Hinweis darauf, dass institutionelle Mittel bislang nicht wieder stabil zufließen. CryptoQuant berichtet zudem, dass in den letzten 30 Tagen rund 187.000 Bitcoins von Investoren mit Verlust verkauft wurden. Das Volumen ist zwar erheblich, bleibt aber unter dem konzentrierten Verkaufsdruck nach dem FTX-Kollaps 2022 und auch unter der heftigeren Verkaufswelle zu Jahresbeginn.
Damit hat der Markt zwar eine gewisse Bereinigung durchlaufen, extreme Panikverkäufe wie am Ende früherer Bärenmärkte sind aber bislang ausgeblieben. Für Bullen sprechen hohe Abflüsse eher für weitere Portfolio-Umschichtungen, für Bären wirkt es wie ein Signal weiter nachlassender Nachfrage. Treffender als "Boden bestätigt" sei daher, dass sich der Markt einem möglichen Bereich für ein Bewertungs-Tief nähert. Der Kurs hat bereits reagiert, entscheidend für die nächste Phase bleiben die Stabilisierung der ETF-Abflüsse und eine Rückkehr institutioneller Nachfrage.