Aave startet auf Solana – Rettungsaktion nach KelpDAO-rsETH-Exploit über 292 Mio. US-Dollar läuft
Der Aave-Token (AAVE) ist ab sofort im Solana-Ökosystem verfügbar. Damit erhalten Solana-Nutzer Zugang zu einem der größten Kreditprotokolle im DeFi-Sektor, ohne das Netzwerk verlassen zu müssen.
Der Schritt folgt weniger als zwei Tage, nachdem die Solana Foundation angekündigt hatte, einen Teil ihrer Treasury in Aave zu allokieren. Ziel ist es, die Auswirkungen des KelpDAO-rsETH-Exploits über 292 Mio. US-Dollar einzudämmen und das Vertrauen in dezentrale Kreditmärkte zu stabilisieren.
Solana Foundation unterstützt Stabilisierung von Aave
Am 25. April erklärte Lily Liu, Chair der Solana Foundation, die Non-Profit-Organisation stelle Aave USDT als Kredit zur Verfügung. Hintergrund seien die Folgen des Exploits, der mehrere DeFi-Protokolle mit nicht gedecktem Collateral und Liquiditätsstress konfrontiert habe.
Für Solana ist das ein ungewöhnlicher Crosschain-Eingriff. Das Netzwerk hat über Jahre eine eigene DeFi-Ökonomie rund um natives Lending, Trading und Liquid Staking aufgebaut. Mit der Maßnahme übernimmt die Foundation eine direkte Rolle in einer Stabilisierung, die sich um Aave dreht – ein Protokoll, das traditionell stärker mit Ethereum und dessen Layer-2-Netzwerken verbunden ist.
Liu bezeichnete die Initiative als Unterstützung für den breiteren Open-Finance-Markt. Blockchain-Ökonomien agierten nicht isoliert, und die langfristige Gesundheit von Solana hänge auch von einem funktionierenden DeFi-Sektor außerhalb des eigenen Ökosystems ab. Der Schritt gilt als Signal, dass Wettbewerb zwischen Chains Koordination nicht ausschließt, wenn Marktstrukturen systemisch bedroht sind.
Exploit startete über rsETH und LayerZero-Bridge
Der Angriff vom 18. April nahm seinen Ausgang bei KelpDAOs rsETH, einem Liquid-Restaking-Token. Angreifer sollen eine Schwachstelle genutzt haben, die mit der LayerZero-Bridge-Konfiguration zusammenhing. Berichten zufolge konnten sie 116.500 nicht gedeckte rsETH-Token auf Ethereum einlösen, die Vermögenswerte anschließend bei Aave, Compound und Euler als Sicherheiten hinterlegen und danach rund 292 Mio. US-Dollar in ETH und weiteren Assets ausleihen.
Die Folge war ein Kaskadeneffekt, besonders in Aaves Kreditmärkten. Nutzer zogen Liquidität in großem Stil ab; die Auslastung von WETH erreichte innerhalb weniger Stunden 100%.
Galaxy Research erläuterte dazu: "Bei voller Auslastung erlaubt Aaves Design keine Auszahlungen, weil es keine ungenutzte Liquidität im Pool gibt. Wer zuerst abhebt, wird vollständig bedient, wer später kommt, muss auf neues Angebot oder Rückzahlungen der Kreditnehmer warten."
Oak Research bezifferte den Rückgang des Total Value Locked (TVL) in DeFi auf 17%. Aave habe Abflüsse von mehr als 12 Mrd. US-Dollar verzeichnet. Die Analyse betont, die Episode hätte zu einem prägendem DeFi-Fehlschlag werden können, weil hier Bridge-Fehlkonfiguration, ein systemrelevanter Kreditmarkt und blockierte Auszahlungen in ausgedünnten Pools zusammenkamen. Zugleich habe der Liquiditätsengpass gezeigt, dass Kreditprotokolle zwar "wie vorgesehen" funktionieren können, Risiken aber über externe Infrastruktur in das System importiert werden.
DeFi United soll Lücke schließen
Als Reaktion organisierten Aave und KelpDAO gemeinsam DeFi United, ein Rettungsvehikel zur Auffüllung der rsETH-Reserven und zur Entschädigung betroffener Nutzer. Laut offizieller Website liegen Zusagen von knapp 240 Mio. US-Dollar vor – unter anderem von Aave DAO, Arbitrum DAO, Mantle, Ether.fi, Lido, Kelp, der Golem Foundation sowie einzelnen Beitragszahlern.
Oak Research zufolge sei die Rettungsaktion auch deshalb zustande gekommen, weil Aave als Protokoll im Zentrum des Risikos stand. Bei einem kleineren Restaking-Protokoll oder einer Bridge ohne systemische Bedeutung hätte die Reaktion vermutlich anders ausgesehen. Als größter DeFi-Kreditplatz habe Aave stärkere Anreize, Reputation zu schützen und keinen Präzedenzfall zu schaffen, bei dem Kreditgeber Verluste aus vom Protokoll akzeptierten Sicherheiten tragen.
Vor diesem Hintergrund fällt die Unterstützung durch Solana besonders auf: Die Foundation beteiligt sich an einer branchenweiten Stabilisierung, um zu verhindern, dass ein bridgebedingter Sicherheiten-Ausfall das Vertrauen in den größten DeFi-Kreditmarkt beschädigt.
Strategisch eröffnet der Launch von AAVE auf Solana zusätzliche Optionen. Er kann Crosschain-Liquidität vertiefen, den Zugang für Solana-Nutzer verbreitern und Aave einen weiteren Distributionskanal geben – zu einem Zeitpunkt, an dem Kreditprotokolle Sicherheitenrisiken, Bridge-Abhängigkeiten und Notfall-Backstops neu bewerten.
Offen bleiben Governance-Fragen. Aave-Tokenholder müssen den Einsatz von Treasury-Mitteln gegen das Reputationsrisiko abwägen, falls Nutzer Verluste tragen müssten. Auch wenn DeFi United kurzfristig die Lücke schließen kann, hat der KelpDAO-Exploit deutlich gemacht, dass Collateral-Standards, Bridge-Design und Protokoll-Risikokontrollen nicht länger getrennt zu behandeln sind.